Ich bin in einem Alter, in dem ich an Silvester nicht mehr wild feiern gehe, sondern froh bin, wenn mein Kind von den Böllern nicht wach wird und ich bis Mitternacht durchhalte.
Gestern war es also wieder soweit und ich fand mich mit einer sehr guten Freundschaft irgendwo im Leipziger Umland wieder. Als die Kinderparty vorbei war und beide Lütten friedlich in ihren Betten lagen und schliefen, ging es an die Erwachsenen-Abendplanung, die – wie schon am Vorabend – aus Gesellschaftsspielen bestand. Bevor wir vor Übermüdung nicht mehr in der Lage gewesen wären zu denken, wollten wir The Crew: Expedition Tiefsee spielen.
Das Spiel ist vom Prinzip her aufgebaut wie Skat, allerdings ist es ein kooperatives Spiel, das heißt die Mitspielenden spielen gemeinsam gegen das Spiel. Wir wurden durch deine Reihe Missionen geführt, die stetig schwerer wurden, bis wir Punkt Mitternacht erschrocken auf die Uhr guckten und fast den Jahreswechsel “verspielt” hätten.
Das Spiel hat mich mit seiner Inklusion begeistert – bis auf einen Punkt, zu dem ich gleich kommen werde. Es gibt vier Spielfarben, doch abgesehen von den verschiedenen Farben, ist jeder Farbe auch ein Symbol zugewiesen, perfekt für Menschen, die Farben nicht gut auseinanderhalten können. Natürlich wäre eine Edition in Braille-Schrift noch besser.
Dazu gibt es vier U-Boot-Karten, die die Trümpfe des Spiels sind. Jede Mission hat einen bestimmten Wert und je nachdem müssen bestimmte Aufgaben erfüllt werden. Vor Beginn der Missionen werden die Aufgaben auf den Tisch gelegt, die Karten werden verteilt und dann erklärt sich ein*e Mitspieler*in dazu bereit, DER Captain zu sein. Leider sprechen die Spielregeln vom Captain nur in der männlichen Form – was durchaus ein Übersetzungsproblem sein könnte. Das kann ich allerdings nicht beurteilen, da ich das Original nicht habe.
Zur Förderung der Diversität hätte bei der Übersetzung hier eine andere Entscheidung getroffen werden können. Eine andere Lösung wäre zum Beispiel das genderneutrale Pronomen “dey”, dessen englisches Pendant “they” schon längst etabliert ist.
Würde es erstmal komisch klingen? Ja. Doch alles Neue klingt anfangs komisch und wird von den Meisten abgelehnt. Menschen sind Gewohnheitstiere und brauchen eine Weile, um sich an etwas Neues zu gewöhnen. Doch ist das erstmal passiert, können sie sich meist gar nicht mehr daran erinnern, mal ohne gewesen zu sein.
