Ein Film, der stark beginnt und im letzten Drittel ebenso stark nachlässt.
In den ersten Minuten sehen wir Ivy (Olivia Coleman) und Theo (Benedict Cumberbatch), die sich durch Zufall in einer Restaurantküche kennenlernen. Sie ist leidenschaftliche Köchin, er ein Architekt mit Visionen, die von seinem Chef ausgebremst werden. Sie will in die Staaten und er geht nach einem Techtelmechtel im Kühlraum kurzerhand mit.
Zeitsprung. Ivy und Theo sind glücklich verheiratet und haben Zwillinge. Theo hat ein prestigeträchtiges Architektur-Projekt abgeschlossen, während Ivy sich zu Hause um die Kinder und den Haushalt kümmert und ihre Familie mit ihren kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt. Wir erleben Ivy und Theo als starkes Paar, das sich gegenseitig unterstützt. Mit einem Teil des Geldes kauft Theo seiner Ehefrau eine kleine Hütte am Strand der Kalifornischen Küste, das sie in ein kleines Restaurant umbaut. Dies ist die Ausgangsposition der beiden ProtagonistInnen.
Ein starker Sturm an der Kalifornischen Küste bringt schließlich die Wende. Theos Bauprojekt stürzt ein, während eine renommierte Restaurantkritikerin durch den Regen förmlich in Ivys Restaurant gespült wird. Die Kritik fällt bombastisch aus und ab diesem Zeitpunkt ist The Crabs (Ivys Restaurant) durchgehend ausgebucht. Sie sieht sich gezwungen, mehr als drei Tage pro Woche zu öffnen und stellt zusätzliches Personal ein, während Theos Karriere am Ende ist. Wir erleben hier eine sehr interessante Wendung, nach welcher der männlich gelesene Charakter die typische Rolle der Frau im Patriarchat übernimmt. Er kümmert sich um Haushalt und Kinder, während die weiblich gelesene Person ihre Karriere vorantreibt und selten zu Hause ist. Sie übernimmt also die im Patriarchat typisch männliche Rolle. Besonders interessant fand ich die Umkehrung der stereotypischen Geschlechterrollen und ihren Umgang damit. In einer Szene kommt Ivy nach Hause, wirft die von Theo frisch zusammengelegte Wäsche auf den Boden und es kommt zu einem Streit, bei dem ich als Zuschauerin in eine angenehm erfrischende Darstellung der Geschlechterrollen versetzt wurde.
Im Verlauf des letzten Drittels verliert die Komödie leider immer mehr den Boden unter den Füßen und driftet ins Absurde ab.
Ich finde den Film trotzdem sehenswert. Nicht zuletzt wegen der großartigen Besetzung, sondern auch weil er mit der klassischen Darstellung der Geschlechterrollen spielt und zum Nachdenken anregt.
