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	<title>Bücherecke Sprachviefalt Pfeiffer| Lektorat – Korrektorat – Sensitivity Reading – Übersetzung (Englisch &amp; Französisch)sprachvielfalt-pfeiffer.de</title>
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	<title>Bücherecke Sprachviefalt Pfeiffer| Lektorat – Korrektorat – Sensitivity Reading – Übersetzung (Englisch &amp; Französisch)sprachvielfalt-pfeiffer.de</title>
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		<title>„Gym“ von Verena Kessler: Optimierung im Spiegelzimmer des Fitnessstudios</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SaraPfeiffer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Feb 2026 12:35:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherecke]]></category>
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					<description><![CDATA[Verena Kesslers Roman Gym (Hanser 2025) führt uns in ein Fitnessstudio, das sich fast vollständig zum Mikrokosmos einer Leistungsgesellschaft verdichtet. Was zunächst wie eine ironische Milieustudie wirkt, entfaltet sich rasch zu einem feministischen Body‑Horror um Körper, Selbstoptimierung und Identität – gespielt auf der vermeintlich harmlosen Bühne der Trainingsmaschinen.​ Mikrokosmos MEGA GYM Die Handlung spielt fast ausschließlich im [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Verena Kesslers Roman <em>Gym</em> (Hanser 2025) führt uns in ein Fitnessstudio, das sich fast vollständig zum Mikrokosmos einer Leistungsgesellschaft verdichtet. Was zunächst wie eine ironische Milieustudie wirkt, entfaltet sich rasch zu einem feministischen Body‑Horror um Körper, Selbstoptimierung und Identität – gespielt auf der vermeintlich harmlosen Bühne der Trainingsmaschinen.​</h2>



<h2 class="wp-block-heading"><em>Mikrokosmos MEGA GYM</em></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Handlung spielt fast ausschließlich im fiktiven MEGA GYM: ein Studio voller High‑Performer, Bodybuilder, Protein‑Shakes und Spiegel, in denen jeder Körper von sich selbst beobachtet wird. Kessler nutzt dieses Setting als lupeartige Bühne, auf der sich unterschiedliche Subkulturen – vom Leistungsideologen über die Social‑Media‑Fitness‑Influencerin bishin zum eher zufälligen Sportler – begegnen. Das Fitnessstudio mutiert so zur allegorischen Bühne einer Gesellschaft, in der Selbstbild, Status und Selbstwertmaßstäbe sich vor allem im Körper festlegen.​</p>



<h2 class="wp-block-heading"><em>Eine Figur auf Spektrum</em></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die namenlose Protagonistin ist Ende zwanzig, hat gerade ihren Job verloren und sucht sich zunächst pragmatische Aushilfsarbeit als Aushilfe im Fitnessstudio. Doch schon bald rutscht sie in den Wirbel des Studios hinein: Aus dem ursprünglichen Ziel, „Gewicht zu verlieren und sichtbar besser“ zu werden, wird ein nahezu wissenschaftlich betriebenes Optimierungsprojekt mit Kalorienzählen, High‑Protein‑Ernährung, engen Klamotten und steigender Hingabe an den eigenen Körper. Schritt für Schritt rückt sie in die Nähe der High‑Performer, bevor sie sich selbst mit Steroiden und extremer Trainingsdisziplin in eine Art experimentellen Körperwahn hineinsteigert.​</p>



<h2 class="wp-block-heading"><em>Ironie, Humor und steigender Horror</em></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kessler erzählt mit einer Mischung aus leichtfüßiger Milieubeobachtung, ironischer Distanz und zunehmendem, filmisch verdichteten Horror. Die Beschreibung „perfekter“ Körper, protziger Trainingsoutfits und internen High‑Performer‑Jargons wirkt anfangs amüsiert, doch je weiter die Protagonistin sich in die eigene Körperwelt hineinzieht, desto klarer wird: Das Studio ist kein spaßiger Fitness‑Kosmos, sondern ein Spiegelraum, in dem sich die Grenzen zwischen Selbstfürsorge, Selbstoptimierung und Selbstzerstörung aufzulösen beginnen.​</p>



<h2 class="wp-block-heading"><em>Gesellschaftskritik ohne Moralkeule</em></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Gym</em> leistet literarisch vor allem deshalb Überzeugendes, weil es gesellschaftliche Phänomene wie Selbstoptimierung, Leistungsdruck und Image‑Kalkül nicht über mühsame Theorie, sondern über die physische Figur in Szene setzt. Die Radikalisierung der Protagonistin – von sanfter Selbstverbesserung hin zu einer betont projektierten „New construction“ des eigenen Körpers – wirkt wie eine „Fallstudie falschen Bewusstseins“. Was als harmloses Selbstexperiment beginnt, endet in einer Zerfrisierung des Selbstbilds: der Körper wird zum einzigen Maßstab – und wird doch als unzuverlässiges Versprechen entlarvt.​</p>



<h2 class="wp-block-heading"><em>Ein neuer Schauplatz im Romanfeld</em></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem Hintergrund von Kesslers früheren Büchern (<em>Die Gespenster von Demmin</em>, <em>Eva</em>) wirkt <em>Gym</em> wie ein bewusster Schwenk hin zu einer zugleich zeitgenössischeren, ironischeren und näher am Alltag verorteten Gesellschaftskritik. Die Entscheidung, das Fitnessstudio als zentralen Schauplatz zu wählen, erweitert das literarische Spektrum um einen bislang relativ unterbesetzten Raum: die „Muckibude“ als allegorische Bühne, in der sich äußere Erscheinung und innere Unsicherheit treffen.​</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer sich für eine kluge, oft ironisch gehaltene, aber letztlich scheußlich nachvollziehbare Analyse des Selbstoptimierungs‑Wahns begeistert, wird in <em>Gym</em> einen überraschend brisanten, zugleich unterhaltsamen Roman finden – der sich im Spiegel des Studios nicht nur auftrainiert, sondern auch schonungslos entblößt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Absolute Leseempfehlung!!!</p>
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		<title>Eine kurze Geschichte der Menschheit – ein Buch, das bleibt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SaraPfeiffer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Jan 2026 18:34:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherecke]]></category>
		<category><![CDATA[Buchrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Eine kurze Geschichte der Menschheit]]></category>
		<category><![CDATA[Harari]]></category>
		<category><![CDATA[Lektorat]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Sachbuch, das sich liest wie ein Roman Yuval Noah Harari schafft mit&#160;&#8220;Eine kurze Geschichte der Menschheit&#8221;&#160;etwas, das Sachbücher selten leisten: Er erzählt 100.000 Jahre Menschheitsgeschichte so, dass man das Buch kaum aus der Hand legen will. Statt trockener Daten stellt er große Fragen: Wie wurden wir vom unbedeutenden Savannen-Tier zum dominanten Faktor auf diesem [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading" id="eine-kurze-geschichte-der-menschheit--warum-dieses">Ein Sachbuch, das sich liest wie ein Roman</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Yuval Noah Harari schafft mit&nbsp;&#8220;Eine kurze Geschichte der Menschheit&#8221;&nbsp;etwas, das Sachbücher selten leisten: Er erzählt 100.000 Jahre Menschheitsgeschichte so, dass man das Buch kaum aus der Hand legen will. Statt trockener Daten stellt er große Fragen: Wie wurden wir vom unbedeutenden Savannen-Tier zum dominanten Faktor auf diesem Planeten? Wohin führt uns das – und zu welchem Preis?</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="vier-revolutionen-die-alles-verndert-haben">Vier Revolutionen, die alles verändert haben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Harari gliedert die Menschheitsgeschichte in vier große Revolutionen: die kognitive, die landwirtschaftliche, die Vereinigung der Menschheit und die wissenschaftliche Revolution. Jede dieser Phasen verschiebt grundlegend, wie Menschen leben, arbeiten, glauben und Macht organisieren. Besonders spannend: Der rote Faden ist nicht Technik, sondern unsere Fähigkeit, gemeinsame Geschichten zu glauben – von Göttern über Staaten bis hin zu Geld und Menschenrechten.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="was-das-buch-so-besonders-macht">Warum das Buch so besonders ist</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Statt sich auf eine Disziplin zu beschränken, verknüpft Harari Anthropologie, Geschichte, Ökonomie, Biologie und Philosophie zu einer großen Erzählung. Das Buch liest sich leicht, regt aber nachhaltig zum Nachdenken an: über Konsum, Tierhaltung, Kapitalismus, Fortschrittsglauben und darüber, was „Glück“ in einer hoch technisierten Welt eigentlich bedeutet. Das Buch ist weniger eine lückenlose Chronik als eine Einladung, unsere gewohnten Narrative zu hinterfragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fr-wen-sich-die-lektre-lohnt">Wem ich dieses Buch empfehle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">&#8220;Eine kurze Geschichte der Menschheit&#8221;&nbsp;eignet sich für alle, die gern große Zusammenhänge verstehen wollen, ohne sich durch Fachliteratur kämpfen zu müssen. Wer Freude an kritischen Perspektiven auf Geschichte, Politik und Wirtschaft hat  oder einfach wissen möchte, wie wir vom Lagerfeuer zu Algorithmen und Gentechnik gekommen sind, findet hier einen idealen Einstieg. Es ist ein Buch, das man nach dem Lesen nicht einfach weglegt. Es bleibt im Kopf und regt zum Nachdenken an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schau gern auf <a href="https://buchnah.de">buchnah.de</a> nach einer unabhängigen Buchhandlung in deiner Nähe und unterstütze so den unabhängigen Buchhandel. Erschienen ist das Buch im Pantheon Verlag.</p>



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		<title>Auf Erden sind wir kurz grandios: Ocean Vuongs Brief an die zerbrochenen Welten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SaraPfeiffer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 2025 12:20:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherecke]]></category>
		<category><![CDATA[Sensitivity Reading]]></category>
		<category><![CDATA[Buchrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lektorat]]></category>
		<category><![CDATA[Narrativ]]></category>
		<category><![CDATA[Ocean Vuong]]></category>
		<category><![CDATA[Queerness]]></category>
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					<description><![CDATA[Ocean Vuongs Debütroman entfaltet sich als langer, unversandter Brief des Sohnes Little Dog an seine analphabetische Mutter Rose. Der Roman ist ein poetisches Wrack aus Fragmenten, das Migration, queere Liebe und Generationentraumata in eine Sprache webt, die wie ein Fieberspiel aus Licht und Schmerz glüht. Als vietnamesisch-amerikanischer Lyriker verdichtet Vuong den Vietnamkrieg nicht zu Geschichte, [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Ocean Vuongs Debütroman entfaltet sich als langer, unversandter Brief des Sohnes Little Dog an seine analphabetische Mutter Rose. Der Roman ist ein poetisches Wrack aus Fragmenten, das Migration, queere Liebe und Generationentraumata in eine Sprache webt, die wie ein Fieberspiel aus Licht und Schmerz glüht. Als vietnamesisch-amerikanischer Lyriker verdichtet Vuong den Vietnamkrieg nicht zu Geschichte, sondern zu Fleisch: Die Großmutter Lan, schizophrene Zeitreisende, vom Großvater, dem GI-Gespenst umkreist; die Mutter, die prügelt, um ihren Sohn für Amerikas Härte zu wappnen.<a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/ocean-vuong-auf-erden-sind-wir-kurz-grandios-ein-junge-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener"></a>​</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fragmentierte-schnheit-im-gewaltwirbel">Fragmentierte Schönheit im Gewaltwirbel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Prosa tanzt gebrochen durch die Erzählung. Vuong zerteilt die Chronologie in Anekdoten, biologische Digressionen und lyrische Bilder. Little Dogs Coming-of-Age führt durch Rassismus, Armut und die Opioidkrise: Er, der Übersetzer der Familie, navigiert zwischen Vietnamesisch und Englisch, wo Worte immer ein wenig Bedeutung verlieren. Seine erste Liebe zu Trevor, einem weißen Jungen aus einem Trailerpark, pulsiert gleichzeitig zart und brutal: Sex wird zum Schlachtfeld, wo Begehren auf toxische Männlichkeit stößt.<a href="https://de.lit-cities.com/hartford/ocean-vuong-on-earth-were-briefly-gorgeous" target="_blank" rel="noreferrer noopener"></a>​</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vuongs feministische Linse bricht das Patriarchat: Frauen wie Rose und Lan tragen Kriegsnarben in Körpern, die sie zu Täterinnen und Opfern machen; Gewalt zirkuliert durch die Generationen, von Agent Orange bis zur häuslichen Gewalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vuong queert das Vietnam-Trauma-Narrativ und fordert Empathie statt Heldentum.<a href="https://www.deutschlandfunk.de/ocean-vuong-auf-erden-sind-wir-kurz-grandios-sicher-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener"></a>​</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="politische-poesie-jenseits-des-traums">Politische Poesie jenseits des Traums</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Auf Erden sind wir kurz grandios“ dekonstruiert den amerikanischen Traum als Mythos: Ein queerer Migrant widersteht Klassismus, Heteronormativität und Rassismus und findet Schönheit in der Zerbrechlichkeit. Die Sprache ist rhythmisch und elliptisch von Anne-Kristin Mittag meisterhaft übertragen. Sie macht aus Schmerz Kunst: „Sein oder nicht sein. Das ist hier die Frage. Eine Frage, stimmt, aber keine Wahl“.<a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/ocean-vuong-roman-rezension-1.4533219" target="_blank" rel="noreferrer noopener"></a>​</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Buch heilt nicht, es enthüllt: Ein grandioses Debüt, das in seiner Zerrissenheit die Welt neu liest.<a rel="noreferrer noopener" target="_blank" href="https://www.perlentaucher.de/buch/ocean-vuong/auf-erden-sind-wir-kurz-grandios.html"></a>​</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ganz klare Lese-Empfehlung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Buch ist wie der Titel grandios. Wenn du einen örtlichen, unabhängigen Buchhandel unterstützen willst, schau auf <a href="https://buchnah.de">https://buchnah.de</a> nach einer Buchhandlung in deiner Nähe.</p>
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		<title>Schlagwortkorso nebst Tagebuch einer Teenagerin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[SaraPfeiffer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 2025 11:39:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherecke]]></category>
		<category><![CDATA[Sensitivity Reading]]></category>
		<category><![CDATA[Ableismus]]></category>
		<category><![CDATA[Buchrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Internalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Jennifer Weist]]></category>
		<category><![CDATA[Lektorat]]></category>
		<category><![CDATA[Nackt]]></category>
		<category><![CDATA[Narrativ]]></category>
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		<category><![CDATA[Zwischen den Zeilen]]></category>
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					<description><![CDATA[Laut. Schonungslos. Feministisch. Wenn eine Frau mit zwanzig Jahren Bühnenerfahrung ihre eigene Geschichte erzählt und das Buch dann auch noch „Nackt&#8221; nennt, stellt sich bei mir sofort eine Erwartungshaltung ein: Dieses Buch kann nur auf Sex, Drug&#8217;s and Rock&#8217;nRoll herauslaufen. Und das tut es auch – und noch viel mehr. Jennifer Weist liefert die versprochene [&#8230;]]]></description>
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<h1 class="wp-block-heading">Laut. Schonungslos. Feministisch.</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn eine Frau mit zwanzig Jahren Bühnenerfahrung ihre eigene Geschichte erzählt und das Buch dann auch noch „Nackt&#8221; nennt, stellt sich bei mir sofort eine Erwartungshaltung ein: Dieses Buch kann nur auf Sex, Drug&#8217;s and Rock&#8217;nRoll herauslaufen. Und das tut es auch – und noch viel mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jennifer Weist liefert die versprochene Enthüllung allerdings nicht nur in Form von bloßem Exhibitionismus, obwohl sie auf der Bühne gern mal blank zieht und das (zurecht) als feministischen Akt bezeichnet. „Nackt&#8221; ist viel mehr als blanke Brüste, es ist ein zersplitterter Spiegel. Die Frontfrau von Jennifer Rostock, die als Solokünstlerin unter dem Namen Yaenniver ihr erstes Soloalbum mit gleichnamigen Titel wie das Buch veröffentlich hat, entblößt sich auf 384 Seiten Prosa: Neben Sex ohne Ende, Drogenexzessen und Polyamorie als Beziehungsmodell zieht sich vor allem ein Kindheitstrauma wie ein dunkler, wabernder Faden durch ihr Buch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Feminismus als Maske und Manifest</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Weists Feminismus pulsiert durch jede Zeile: Sie appelliert an LGBTQ+-Solidarität, räumt mit Diskriminierung auf und thematisiert Machtmissbrauch in der Musikindustrie: vom ersten Manager-Übergriff bis zu Fan-Attacken, die sie selbst einst spiegelte. Frühe Jennifer-Rostock-Shows, bei denen sie Männer fesselte und ihnen ungefragt in den Schritt griff, werden zur reflexiven Doppelmoral: „Nicht verurteilt, weil Frauen“, gesteht sie. Sie versucht einen feministischen Umschwung von der Rampensau zum Rolemodel, das Normschönheit und Sexismus enttarnt. Polyamorie als „konsensuelle Nicht-Monogamie“ wird zur Freiheit jenseits patriarchaler Monogamie. Sie wirkt belehrend gegen Vorurteile und scheint sich doch zu rechtfertigen, als müsse sie ihre Lust vor ihrem inneren Richter verteidigen.<a href="https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Jennifer-Weist-Nackt-Mein-Leben-zwischen-Zeilen,weist102.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener"></a>​ Dabei schreibt Weist zuweilen selbst über die Problematik der Internalisierung, sei es nun internalisierte Misogynie, Queerfeindlichkeit oder internalisierter Rassismus. Ihre eigene Internalisierung scheint sie selbst noch nicht ganz losgeworden zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Einsatz wirkt teilweise formelhaft: Der Schlagwort-Korso wirkt überzeugend gegen Sexismus, Ableismus. Es ist Feminismus aus dem Handbuch, der Authentizität vortäuscht von einer weißen, schlanken, heterosexuellen Frau, die in ihrem Leben einige Privilegien genießt. Ihre Haltung gegen Rassismus und Queerfeindlichkeit feiere ich sehr, doch ihre Erzählweise ist schwach und liest sich wie das Tagebuch einer Teenagerin.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="der-riss-trauma-als-feministischer-ursprung">Der Riss: Trauma als feministischer Ursprung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Triggerwarnungen, eine ganze Seite Grausamkeiten, weisen auf ihren Kern: Als Sechsjährige wurde sie vom Bekannten der Mutter missbraucht. Die Erinnerungen daran, die sie zunächst verdrängt hatte, werden im Teenagerinnenalter wieder hochgespült. Dieser Bruch erklärt die Masken und den Drang zur Nacktheit als Therapieersatz. Sexualisierte Gewalt als roter Faden, von der Kindheit zu Übergriffen in der Musikindustrie, wo Weist vieles stumm hinnahm, um zu überleben. „Nackt“ ist Selbstheilung. Es ist feministisch radikal und kehrt die Scham erfolgreich um. „Die Scham muss die Seite wechseln.&#8221; „Nackt&#8221; ist ein MeToo-Manifest, das mutig private Wunden politisiert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Während viele sie als „männerhassende Zecke&#8221; bezeichnen, bewundere ich Jennifer Weist für ihren Mut und ihren Einsatz. Denn auch sie hat bemerkt, wie anstrengend und zermürbend der Kampf gegen das Patriarchat ist. Auch sie würde manchmal am liebsten alles hinschmeißen und wieder „ignorant&#8221; sein wie früher. Doch dann fällt ihr wieder ein, wofür sie das tut, auch wenn sie nach eigener Aussage die Ergebnisse ihres Kampfes nicht mehr miterleben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir geht&#8217;s manchmal ganz genauso, Jennifer. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Lese-Empfehlung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Nackt“ scheitert literarisch am Formelhaften, gewinnt aber als rohes Manifest. Es ist ein Buch, das wehtut, weil es die Wunde nicht heilt, sondern ausstellt. Weist bleibt laut, verletzt und sucht nach der Sprache, die ihre Wahrheit trägt. Sie ist eine Ally, die ihre Privilegien sieht, ihre Fehler eingesteht und es nun besser machen will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von mir gibt es eine klare Lese-Empfehlung für dieses Buch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du dir dieses Buch kaufen möchtest, schau doch mal bei <a href="https://buchnah.de">https://buchnah.de</a> vorbei. Auf dieser Website kannst du nach unabhängigen Buchhandlungen in deiner Nähe suchen.</p>
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